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© Badisches Landesmuseum, Foto: ONUK
von Heidrun Jecht
4
min Lesezeit

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02#WALDSCHWARZSCHÖN Traditionelles in modernem Gewand

Der Schwarzwald – stilvoll aufgemischt! Die mehrteilige Beitragsserie #WALDSCHWARZSCHÖN nähert sich dem „schönen schwarzen Wald“ spielerisch und auf überraschende Art und Weise. Sie setzt den Schwarzwald als imaginäre Inspirationsquelle in Szene und betrachtet traditionelle, mit dieser Region verknüpfte Motive und für zeitgenössische Gestalter*innen reizvolle Themen aus erfrischend anderem Blickwinkel.

Frauen in Gutacher Tracht mit Bollenhut, Fotograf: E. Baumgartner, 1. Hälfte 20. Jahrhundert, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. BA 2002/616 b © Badisches Landesmuseum, Foto: E. Baumgartner

#BOLLENHUT – Weiche Kugeln als Dekor

Charakteristisch für den weltbekannten Trachtenhut sind 14 handgefertigte, verschieden große Bollen aus Wolle. Diese sind kreuzförmig auf einen Strohhut, den „Gupfen“, aufgesetzt. Er ist mit Gipsmasse verstärkt, damit die insgesamt 2 kg schweren Bollen ihn nicht verformen. Unter dem mit Kinnbändern fixierten Strohhut wird eine schwarze Seidenhaube mit gesteifter Randspitze getragen, denn der Hut sitzt niemals direkt auf dem Kopf auf.

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Zwei Frauen in traditioneller Tracht mit auffälligen Hüten sitzen und halten Weizenähren in den Händen.
Zwei Frauen in Gutacher Tracht mit Bollenhut, Fotograf: Alwin Tölle, wohl 1970er Jahre, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. BA 2004/6500 © Badisches Landesmuseum, Foto: Alwin Tölle (CC-BY-SA 4.0)
Eine Skulptur eines Kopfes mit auffälligem roten Filz-Pomponhut auf neutralem Hintergrund.
Runde, rote, flauschige Textilskulptur auf goldener Basis vor weißem Hintergrund.
Der Strohhut mit den typischen Bollen gehört zur Frauentracht von lediglich drei Orten im mittleren Schwarzwald. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte er sich zum Sinnbild des gesamten Schwarzwalds.

Alle Bilder dieser Gruppe: Bollenhut, Gutach, 19. Jahrhundert, Inv. P 25-13 / © Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt

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Der Bollenhut entstand zwischen 1830 und 1860 und gehört zur Frauentracht in drei Gemeinden des mittleren Schwarzwaldes: Gutach, Reichenbach und Kirnbach. Die Farbe der Wollkugeln signalisiert den Ehestand der Trägerin: rot = ledig, schwarz = verheiratet. Im Lauf der Zeit wurden die Wollkugeln immer größer und der Bollenhut entwickelte sich zum globalen Sinnbild für den gesamten Schwarzwald.

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Frauen aus Buchenberg in Tracht mit Backenhaube und Rosenhut, Bildpostkarte, um 1900, Fotograf: W. Seiler, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. BA 2019/3-27 © Badisches Landesmuseum, Foto: W. Seiler
Junge Frau in traditioneller Tracht mit Hut, vor neutralem Hintergrund. Historisches Schwarz-Weiß-Foto.
Atelieraufnahme einer jungen Frau in der Frauentracht von St. Georgen mit Rosenhut. Fotograf: Georg Röbcke, um 1900, Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inv. BA 2004/57, Foto: Georg Röbcke © Badisches Landesmuseum, Foto: Georg Röbcke

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Ähnlichkeiten mit dem Bollenhut weist der sogenannte „Rosenhut“ auf. Die „Rosen“ aus roter oder schwarzer Wolle sind weniger dicht gearbeitet und mit größerem Abstand zueinander und in überschaubarer Anzahl auf den Gupfen aufgebracht.

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Ein außergewöhnlicher, runder Hut mit schwarzen Wollpompons und einem breiten, schwarzen Band.
Ein kreativer Hut in Fußballform mit schwarzen Fransen und langen Bändern, einzigartig in seinem Design.
Der „Rosenhut“ weist strukturelle Parallelen zum Bollenhut auf. Durch die geringere Anzahl an „Rosen“ erscheint er weniger dominant und luftiger als der klassische Bollenhut mit seinen teils großvolumigen, den gesamten Hut überziehenden Wollkugeln.

Alle Bilder dieser Gruppe: „Rosenhut“ der Frauentracht aus St. Georgen im Schwarzwald, 1975, Inv. 2011/1039 h / © Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt

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Bollen oder „Pompons“ können nicht nur Kopfzierde sein. Designerinnen spielen etwa mit der charakteristischen Form und Farbe der Bollen und spielen mit ihrem hohen Wiedererkennungswert.

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Roter, flauschiger Hocker mit langen, roten Fäden, die wie Tentakel von der Unterseite herabhängen.
Dunkelgraue, weich gepolsterte Kissen in organischer Form auf schwarzem Untergrund.
„Noch zu haben“ heißt der Hocker mit roten, „Schon vergeben“ derjenige mit schwarzen Bommeln. Denn verheiratete Frauen tragen den schwarzen Bollenhut und die noch unverheirateten den roten.

Alle Bilder dieser Gruppe: Schwarzwaldhocker "Noch zu haben" und "Schon vergeben", Entwurf: Doris Gaßmann / Hersteller: Raumgestalt GmbH, Bernau, 2011, Inv. 2011/1009, Inv. 2011/1010 / © Badisches Landesmuseum, Thomas Goldschmidt (CC BY-NC-ND 4.0)

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Manche nutzen auch deren weiche, puffernde Eigenschaft, etwa als Sitzpolster eines Hockers. Und ein Kissen mit zahlreichen, sich dicht aneinanderschmiegenden Wollkugeln wird durch seine prägnante Ästhetik zum Blickfang auf dem Sofa.

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Weiche, flauschige Textur mit runden, weißen Elementen und lilafarbenen Akzenten. Perfekt für gemütliche Akzente.
Ein schwarzes Sofa mit bunten und weißen, runden Kissen vor einer strukturierten grauen Wand.
Die Assoziation zum Bollenhut gelingt bei diesem Kissen spielerisch leicht. Die handgefertigten Pompons mit ihrer weichen, puffernden Eigenschaft kommen material- und funktionsgerecht zum Einsatz.
Alle Bilder: Pompon-Kissen, Myra von Busekist / Myk, Berlin, 2016, Inv. 2016/226 / © Myk (CC BY-NC-ND 4.0)

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Ihre Signalwirkung entfalten die knallroten Bollen aber nicht allein auf dem Kopf, sondern gleichermaßen dekorativ am Hals als Eyecatcher eines Halsschmucks.

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Elegante Halskette mit roten Pompons, metallischen Akzenten und schwarzer Spitzenborte auf weißem Hintergrund.
Buntes Arrangement aus roten Pompons, metallic Elementen und schwarzer Spitze auf weißem Hintergrund.
Für ihre Schmuckkollektion „Schwarz. Rot. Wald“ mit den Colliers „Bollenhut“, „Kuckucksuhr“ sowie „Wald“ erhielt die Schmuckgestalterin Kati Mussgay 2016 den Förderpreis für junges Kunsthandwerk des Landes Baden-Württemberg.

Beide Bilder: Halsschmuck „Bollenhut“, Kati Mussgay, Gengenbach, 2016 (im Besitz der Künstlerin) / © Kati Mussgay (CC BY-NC-ND 4.0)
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22.05.2026
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